(Un-)Vereinbar?! Mutterschaft im Wissenschaftsbetrieb

Trotz Familienfreundlichkeits-Zertifikaten und Bemühungen um familienfreundliche Arbeitsbedingungen arbeiten im Wissenschaftsbetrieb mehr Frauen als Männer in Teilzeit und sind stärker von Gender-Pay-Gap, Rentenlücken und Ausschlüssen aus männerdominierten Netzwerken betroffen – umso mehr, wenn sie Mütter werden. Dies deutet auf eine generelle Unfreundlichkeit gegenüber Sorgearbeit im Wissenschaftsbetrieb hin und betrifft alle Bereiche, vom wissenschaftlichen Personal bis hin zu den Verwaltungsangestellten.

Gemeinsam mit Dr. Lena Eckert und Dr. Sarah Czerney vom Netzwerk Mutterschaft & Wissenschaft haben wir in der Auftaktveranstaltung unserer Reihe “Moderne Kämpfe fĂĽr gute Arbeit” am 24.04.2024 gesprochen ĂĽber: Konsequenzen von Mutterschaft fĂĽr den wissenschaftlichen Arbeitsalltag und die Karriere, die Spezifik von Mutterschaft im Vergleich zu „Elternschaft“ oder „Sorgearbeit“ und darĂĽber, was vor diesem Hintergrund „gute Arbeit“ im Wissenschaftsbetrieb heiĂźen könnte.

Gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft – die Rolle des Bundes

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) bildet den rechtlichen Rahmen für die meisten Verträge im sogenannten akademischen Mittelbau. Viele kritisieren das Gesetz als Kern des Übels auf dem akademischen Arbeitsmarkt; Initiativen wie #IchbinHanna haben in den vergangenen Jahren eine riesige Resonanz erhalten. Auf der anderen Seite werden Befristungsmöglichkeiten als unverzichtbare Basis für ein dynamisches Wissenschaftssystem hervorgehoben.

Bei allem Streit besteht Einigkeit, dass das WissZeitVG verbessert werden soll, aber wie genau, bleibt unklar. Der kürzlich veröffentlichte, lang erwartete Entwurf der Novelle des WissZeitVG hat keinen der Beteiligten glücklich gemacht. Auch das Kabinett konnte sich nicht in allen Punkten einigen. Vieles wird sich erst im weiteren Gesetzgebungsprozess im Bundestag ergeben.

Dabei sind die Erwartungen hoch. Wir fragen: Wie kann dieses Gesetz die Ziele exzellenter Forschung und Lehre unterstĂĽtzen? Welche Auswirkungen verspricht sich das Bundesministerium fĂĽr Bildung und Forschung (BMBF) vom vorliegenden Reformvorschlag? Welche Rolle kann und will der Bund bei der Ausgestaltung guter Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft spielen?

Diese und weitere Fragen loteten wir in unserer Reihe „Wissenschaft als Arbeitgeberin“ mit Jens Brandenburg, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, aus. Die thematische Einführung übernahm WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger.

Der akademische Arbeitsmarkt: allgemeines Ideal, einschränkende Realität?

Der akademische Arbeitsmarkt unterscheidet sich stark von anderen Arbeitsmärkten. Nicht immer ist dies zum Vorteil für (angehende) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Mit großer Freiheit und Flexibilität gehen auch große Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit einher. Hohe Mobilität stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Probe. Gerade in der Qualifikationsphase bestehen zudem starke Abhängigkeitsverhältnisse. Sind bessere und fairere Beschäftigungsverhältnisse möglich?

Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit Geraldine Rauch, Präsidentin der Technischen Universität Berlin, und Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, diskutieren. Anja Oppermann (Referentin für Forschungs- und Karriereförderung) übernimmt die Moderation.